Bärbel Raupach im Porträt

Bärbel Raupach in Aktion

Miteinander nicht gegeneinander!

Bärbel Raupach kann auch anpacken! Die gebürtige Bremerin managt seit letztem Jahr die Altenpflegeschule von RENAFAN in Berlin-Tegel. Für Raupach steht die praktische Ausbildung ganz im Vordergrund. Da legt sie auch mal selbst Hand an und zeigt ihren Schülern, wie man gekonnt und bestimmt mit einem Patienten umgeht.

Vorbild ist der Club der Toten Dichter

“Die Schüler sollen den Unterricht führen, ich sehe keinen Sinn im Frontalunterricht. Ich verstehe mich als Anleiter”, betont die ausgebildete Sozialpsychologin. Sie selbst hat aber auch früher als Krankenschwester gearbeitet und kennt den Beruf von der Pike auf. Ihre langjährige Lehrtätigkeit in der Pflege mit Curriculumsentwicklung (Ausarbeitung eines Lehrplans), hat sie in Berlin zur treibenden Kraft an der neu gegründete Altenpflegeschule werden lassen.

“Wenn es den Lehrplan und die Lehrmethode, die zusammen mit Prof. Darmann-Finck entwickelt wurde, nicht geben würde, hätte ich einen schwierigeren Start”, erläutert Bärbel Raupach. In Netzwerken von Pflegeschulen in Norddeutschland und Bayern hat sich die interaktionistische Pflegedidaktik durchgesetzt, die ganz stark Theorie und Praxis zusammenführt.  8 Jahre hat sie am Curriculum mitgearbeitet, jetzt ist die Zeit für neue Ansätze gekommen. Die alternde Gesellschaft benötigt immer mehr Menschen, die Dienstleistungen in der Pflege übernehmen. Dabei verlangt der Beruf des Pflegers den Menschen immer mehr ab.

Mit einem Schlag aus dem Verkehr gezogen!

“Stellen Sie sich vor, ihr 50 jähriger Vater hat einen Schlaganfall erlitten und wird von heute auf morgen zum Pflegefall,” stellt sie eine Beispielsituation ihren Schülern vor. “Als Pfleger müssen sie sich nicht nur um den Kranken kümmern, sie müssen schnell die Situation begreifen und auch für die Angehörigen da sein.” Dazu sind verschiedene Kenntnisse unabdingbar, die über die reine Pflege hinausgehen. In Workshops lernen die angehenden Altenpfleger Aspekte aus Jura, Psychologie und der Medizin kennen. Immer gehe es dabei ganz praktisch zu, nur so bleibe auch etwas hängen.

“Die Schüler müssen mitgehen, sonst wird das nichts.”

“Die deutsche Sprache ist sehr wichtig, Schlaganfallpatienten können manchmal nur noch Lippenlesen, da muss sich der Altenpfleger ausdrücken können und Sachverhalte auf den Punkt bringen”, führt Raupach aus. Daher liege es nahe, dass der Unterricht vor allem von den Schülern gestaltet wird. So können auch Sprachdefizite behoben werden. “Ich sehe mich ein wenig wie die Lehrerfigur im Club der Toten Dichter. Ich will, dass die Schülern sich begeistern und Fragen stellen. Dass sie aktiv werden.”

Sprachlos geht gar nicht

“Eine weitere Sprache ist wunderbar, denn in Berlin leben viele Mitbürger, die als Muttersprache nicht deutsch sprechen. Sie freuen sich, wenn der Pfleger in ihrer Sprache zuhause ist.” Die Sprache ist ein Werkzeug, dass sehr wichtig ist. Ohne sie geht gar nichts. Worte können trösten, Hilfe vermitteln und Situationen entschärfen. Das muss man üben, um es dann anwenden zu können: Die Familie und die Angehörigen des Schlaganfallpatienten müssen beraten werden. Dabei ist es wichtig, Distanz zu bewahren, reflektieren zu lernen und trotzdem nicht kalt rüberzukommen.

“Empathie ist ganz wichtig,” so Raupach,”aber man muss auch lernen abzuschalten, bzw. Abstand zu bewahren, dann kann man durch professionelle Lösungsvorschläge oft viel mehr helfen, als wenn man angesichts der traurigen Ausgangssituation in Panik verfällt.”

Die Hälfte sind Männer

Rollenspiele helfen zu verstehen

Die Abbrecherquote unter den 30 Schülern der Altenpflegeschule ist erfreulich gering, die Hälfte der Schüler sind mittlerweile Männer. Durch die eigene Ausbildung bei RENAFAN leistet das Unternehmen seinen Beitrag für eine qualifizierte Ausbildung. Die Schüler können durch die intensive Ausbildung nur gewinnen: die Durchfallquote sei geringer. Die Prüfungen liegen nämlich in der Hand des Senats und sorgen oft für ein schlechtes Abschneiden der Schüler, da der dort geforderte Stoff zuvor gar nicht  vermittelt wurde. Wer zwei mal durchfällt, ist raus und muss sich nicht nur nach einem neuen Job umsehen, sondern geht auch noch dem Arbeitsmarkt verloren, der händeringend nach Altenpflegern Ausschau hält.

Die RENAFAN Altenpflegeschule bereitet die Schüler optimal und abgestimmt auf die Prüfungen vor. Jeder der 30 Schüler soll möglichst bestehen, so der Anspruch. Das ist ein Knochenjob auch für die Leiterin der Schule. 

“Wertschätzung als Lehrer muss man sich hart verdienen”, weiß die geborene Pädagogin. “Die Schüler müssen mitgehen, sonst wird das nichts.” Jetzt belohnt sich die Wahlberlinerin erstmal mit einer Radtour von Berlin nach Copenhagen. Im September geht dann das neue Semester los. Sie freut sich schon.